Deutscher Gewerkschaftsbund

06.03.2017

Rente muss zum Leben reichen – auch für Frauen

Unter dem Motto „WIR VERÄNDERN!“ fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) anlässlich des

Internationen Frauentages am 8. März eine Stärkung der eigenständigen Existenzsicherung und eine auskömmliche

Rente für Frauen.

Frauen, die 2015 in Rente gingen, erhielten eine gesetzliche Altersvorsorge in Schleswig-Holstein von durchschnittlich

603 €, in Hamburg 710 € und in Mecklenburg-Vorpommern 836 €. Die niedrigen Renten der Frauen

sind das Spiegelbild ihres Erwerbslebens. Frauen arbeiten überwiegend im Niedriglohnsektor, in Teilzeit, in Minijobs

ohne Rentenversicherung, unterbrechen ihre Erwerbsbiographie für die Kinderbetreuung und Pflege Angehöriger

und werden durchschnittlich schlechter entlohnt. Das hat Folgen für das Alterseinkommen.

Den aktuellsten Daten von 2014 zufolge bezieht eine Frau im Schnitt nur 42 Prozent der gesetzlichen Altersbezüge

eines Mannes in Westdeutschland und 23 Prozent in Ostdeutschland. Für Frauen ist die gesetzliche Rente

die wichtigste und oft einzige Quelle der Altersabsicherung. Berücksichtigt man alle drei Säulen der Altersvorsorge

– also neben der gesetzlichen auch die betriebliche und private Altersvorsorge – dann beträgt die Rentenlücke

zwischen den Geschlechtern sogar 57 Prozent. (Gender Pension Gap)

Die Leistungsbemessung der Rentenversicherung orientiert sich nach wie vor an der Vorstellung eines durchschnittlich

verdienenden Arbeitnehmers mit ungebrochener, in Vollzeit ausgeübten Tätigkeit, dem sogenannten

Eckrentner. Für die Mehrheit der Frauen ist dieser Lebensverlauf nicht typisch. Selbst durch die Anrechnung von

Kindererziehungszeiten, die 2014 durch die Ausweitung der Mütterrente nochmals verbessert wurde, schaffen

die Frauen den Anschluss an die Männerrenten nicht.

Zu beobachten ist allerdings, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern mit jedem neuen Rentenjahrgang

geringer werden. Diese Feststellung ist dennoch kein Grund zur Entwarnung.

„Solange die Entgeltlücke von 21 Prozent sich hartnäckig hält, Frauenberufe nicht aufgewertet werden, Frauen

aufgrund der Kinderbetreuung auf berufliches Fortkommen verzichten und überwiegend in Minijobs und kleiner

Teilzeit arbeiten, ist Altersarmut ein Frauenthema.“, so Lisanne Straka, Abteilungsleiterin beim DGB

Nord.

Forderungen des DGB:

· Stärkung der gesetzlichen Rente und Anhebung des Rentenniveaus

· Rente nach Mindestentgeltpunkten fortsetzen – Zeiten mit Niedrigeinkommen werden dadurch für die

Rente bis auf 75 Prozent des Durchschnittverdienstes hochgewertet

· Eine steuerfinanzierte Mütterrente

Zu den zahlreichen gewerkschaftlichen Frauenveranstaltungen im DGB Bezirk Nord laden die Organisatorinnen

herzlich ein. (siehe Anhang)

Fakten:

Aktuell liegt das durchschnittliche Niveau der Altersrenten in Schleswig-Holstein bei 1098 EUR bei Männern

und 603 EUR bei Frauen, in Hamburg bei 1118 EUR bei Männern und 710 EUR bei Frauen und in Mecklenburg-

Vorpommern bei 1090 EUR bei Männern und 836 EUR Frauen.

(Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung, Rentenbestand nach Wohnort (Bundesland) des Rentenempfängers

2015)


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